Stromversorgung: 500.000 Kunden von BEV Insolvenz betroffen – Leidtragende auch in Pfaffenhofen

Die Arlmühle mitten in Pfaffenhofen – ein lokales Projekt, das Energie produziert, in das Netz einspeist und von den Stadtwerken betrieben wird.

Ende Januar hat die Bayerische Energieversorgungsgesellschaft mbH (BEV) Insolvenz in München angemeldet. Das Unternehmen ist zahlungsunfähig und rund eine halbe Million Kunden sind betroffen. Die Wahrscheinlichkeit, dass auch in Pfaffenhofen und Umgebung etliche Haushalte und Betriebe Kunden waren, ist hoch. Zumal sich das Unternehmen seinen Markt durch niedrige Preise und hohe Boni „erkauft“ hat.



Jedes Jahr wechseln Millionen Kunden bundesweit ihren Stromanbieter. Alleine 2017 waren es 3,5 Millionen Kunden, die sich auf dem Markt umgeschaut haben und dann einen neuen Vertrag bei einem Wettbewerber ihres Anbieters unterschrieben haben. Dies kann sich durchaus lohnen, denn Energieversorger zahlen vor allen für Wechselwillige kurzfristig hohe Boni um neue Kunden zu gewinnen und an ihr Unternehmen zu binden. Für Konzerne und ihre Tochtergesellschaften stellt diese Investition kein Problem dar, weil sich durch die hohe Anzahl ihrer Kunden in den unterschiedlichsten Tarifen eine Mischkalkulation anbietet und auch rechnet.
Im Falle der BEV ist die Rechnung nicht aufgegangen. Die Kunden haben aus der Zeitung erfahren, dass ihr Energieversorger Insolvenz anmelden musste. Doch anders als bei Flexstrom und TelDaFax, die jeweils mehr als eine halben Milliarde Schaden angerichtet bzw. Schulden hinterlassen haben, hat das Münchener Unternehmen keine hohen Vorauszahlungen von seinen Kunden verlangt. Nur wer noch auf Boni oder Gutschriften wartet wird seinen Namen wohl auf die Liste der Gläubiger schreiben lassen müssen. Geld wird es voraussichtlich nicht geben. Angst in Zukunft ohne Strombelieferung zu sein, braucht indes niemand zu haben. Die Stromversorgung wird automatisch von dem Unternehmen mit Grundversorger-Auftrag übernommen.

Wenn man den Grund für dieses kometenhafte Wachstum einiger Stromanbieter verstehen will, muss man nur einen Blick ins Internet werfen. Vergleichsportale, die von den Versorgern entsprechend bezahlt werden müssen, um gelistet zu werden, platzieren oft nur anonyme Neu-Anbieter oder Großkonzerne mit „Kampfpreisen“ auf den vorderen Plätzen. Ein regionaler Anbieter ist selten auffindbar. Erst am vergangenen Wochenende hat der Chef der Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV) Klaus Müller eine strenge Regulierung von Plattformen wie Check24 oder Verivox gefordert. „Vergleichsportale spiegeln dem Verbraucher nicht die Realität in ihrer Vielfalt und Breite wider. Wir brauchen daher klare gesetzliche Vorgaben für Vergleichsportale“, sagte der oberste Verbraucherschützer gegenüber dem Handelsblatt.

Dabei gibt es in Pfaffenhofen und Umgebung – wie auch in vielen anderen Gebieten Bayerns – regionale und nachhaltige Alternativen für die Energieversorgung, die nicht auf kurzfristige Gewinnmaximierung ausgerichtet sind, sondern langfristig eine Energiewende von der Basis her anstreben.
So bieten die Stadtwerke Pfaffenhofen als kommunales Unternehmen bereits seit 2015 Ökostrom an – aus Bayern für Bayern.
Seit 2016 wird das Stromnetz in Pfaffenhofen und Umland sukzessive wieder in den kommunalen Besitz übernommen. Damit befinden sich – genau wie die Wasserversorgung – wichtige Infrastrukturnetze wieder in der Hand der Bürger. Dies alles sind wegweisende Schritte, um die Region zu stärken, unabhängig und nachhaltig handeln zu können und die Bedürfnisse der Bürger von heute und morgen verantwortungsbewusst zu erfüllen.

Nähere Informationen zum regionalen Ökostrom anfordern: http://strom.stadtwerke-pfaffenhofen.de
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Kelflooda
Kelflooda | 15.08.2019 | 23:07  
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