Unliebsames Erbe: der Mischwasserkanal

Unliebsames Erbe: der Mischwasserkanal – Stadtwerke Pfaffenhofen bereiten getrenntes Abwassersystem mit eigenem Kanal für Niederschlagswasser vor.

100 Kilometer ist es lang, das Mischwasserkanalsystem in Pfaffenhofen, in dem noch immer Schmutzwasser und Niederschlagswasser zusammen in die Kläranlage fließen – und das obwohl sauberes Niederschlagswasser gar nicht gereinigt werden muss. Mit der Information zur gesplitteten Abwassergebühr leben auch wieder hartnäckige Gerüchte über die Qualität und Notwendigkeit des alten Mischwasserkanals auf. Jetzt erläutern die Stadtwerke Pfaffenhofen, seit 2013 verantwortlich für das Abwassersystem, die wichtigsten Unterschiede, zeigen die Vorteile des neuen Trennsystems wie die Nachteile des alten Mischwassersystems auf und schaffen weit verbreitete Irrtümer aus der Welt.

Vorab und zu Erinnerung: In 2018 kommt die gesplittete Abwassergebühr – die Stadtwerke Pfaffenhofen haben in den letzten Wochen darüber bereits informiert. Die neue Gebührenstruktur sieht vor, dass zukünftig beim Abwasser in unseren Kanälen genauer hingesehen und unterschieden wird – nämlich zwischen Schmutzwasser und sauberem Niederschlagswasser. Dabei gilt: Wer von seinem Grundstück wenig Niederschlagswasser in die Kanäle einleitet, zahlt weniger Gebühren. Denn es ist sauber und muss eigentlich nicht durch den Kanal in die Kläranlage fließen, um dort aufwendig gereinigt zu werden.
Viele Bürger in Pfaffenhofen wundern sich jetzt allerdings. Denn in den letzten Jahren waren immer wieder Aussagen pro Mischwasserkanal zu hören – selbst von Mitarbeitern in Ämtern und Verwaltung. Die Stadtwerke bringen deshalb jetzt Licht ins Dunkel und stellen manches klar.

Was ist ein Mischwasserkanal?

In Mischwasserkanälen fließt Schmutzwasser und sauberes Niederschlagswasser zusammen in die Kläranlage. Das heißt: Beim Mischwasserkanalsystem fließt das Wasser aus Toiletten, Waschmaschinen oder Spülmaschinen in den Kanal, in dem durch Gullys auch das wertvolle Niederschlagswasser landet. Von Trennung keine Spur.

Mischwasserkanal nicht mehr zeitgemäß – Nachteile

Nachteil 1: Große Wassermengen müssen gereinigt werden – das kostet:
Da im Mischwasserkanal Schmutzwasser und sauberes Niederschlagswasser zusammenfließen, gelangen große Wassermengen in die Kläranlage zur Reinigung. Das erfordert mehr Ressourcen als wenig Wasser zu säubern. Das bedeutet auch: Selbst wenn Mischwasserkanäle in der Anschaffung günstiger sind, dauerhaft erzeugen sie mehr Kosten, weil viel Wasser gereinigt werden muss.

Nachteil 2: Sauberes Niederschlagswasser wird aufwendig gereinigt – wozu?
Wenig effizient ist es außerdem, Wasser zu reinigen, das sauber ist. Beim Niederschlagswasser, das in der Kläranlage aufbereitet wird, ist genau das der Fall. Die neue gesplittete Abwassergebühr soll jetzt Anreize schaffen, möglichst viel Niederschlagswasser versickern zu lassen, also in den natürlichen Wasserkreislauf zurückzuführen und eben nicht in die Kläranlage gelangen zu lassen.

Nachteil 3: Überlauf bei Starkregen – riskant, vor allem unter Umweltschutzaspekten
Kritisch kann es sogar werden, wenn bei Starkregen zu viel Niederschlagswasser in die Kläranlage kommt. Denn sobald das Fassungsvermögen der Kläranlage erreicht ist, muss das Wasser in ein Überlaufbecken geleitet werden. Ist auch das Überlaufbecken voll, fließt das durch die hohe Niederschlagsmenge zwar stark verdünnte, aber trotzdem ungereinigte Mischwasser in die Ilm.

Nachteil 4: Schadstoffgehalt verwischt bei verdünntem Mischwasser
Was zusätzlich gegen den Mischwasserkanal spricht: Das Niederschlagswasser verdünnt das Schmutzwasser, das aus den Haushalten kommt. Dadurch werden im wahrsten Sinne des Wortes Schadstoffwerte verwässert. Die gesetzlichen Grenzwerte für Schmutzwasser sind hoch. Durch verdünntes Wasser können aber keine aussagekräftigen Werte mehr gemessen werden.

Irrtümer ausräumen - Mischwasserkanäle brauchen kein Niederschlagswasser

Vor allem in letzter Zeit werden die Stadtwerke Pfaffenhofen häufig mit Aussagen zum Mischwasserkanalsystem konfrontiert, die schlichtweg falsch sind. Hier eine Richtigstellung:

Irrtum 1: „Dass Niederschlagswasser zusammen mit dem Schmutzwasser in den Kanälen fließt ist gut, weil so Verstopfungen verhindert werden.“
Das ist falsch. Nicht Niederschlagswasser verhindert Verstopfungen, sondern Kanäle, die breit genug sind und in Material und Ausführung genau den Anforderungen der Abwasserentsorgung genügen. Das heißt: Sind die Kanäle so gebaut, dass das Wasser mit der richtigen Fließgeschwindigkeit ablaufen kann, kommt es seltener oder gar nicht zu Verstopfungen. Wichtig ist auch, dass Feuchttücher und Hygieneartikel nicht über die Toilette entsorgt werden. Denn sie sind die Hauptursache für Probleme im Kanalsystem. Eine weitere Maßnahme, um Verstopfungen vorzubeugen, sind Kanalspülfahrzeuge. Mit ihnen werden die Kanäle mit einer Art Dampfstrahler gereinigt, der Ablagerungen entfernt.

Irrtum 2: „Dass Niederschlagswasser zusammen mit dem Schmutzwasser in die Kläranlage kommt, ist gut. Denn nur so funktioniert die Kläranlage optimal.“
Das ist falsch: Die Leistung der Kläranlage kann an die Abwassermenge angepasst werden. Und das ist gut so. Denn auch bei der Wasseraufbereitung ist das Ziel der Stadtwerke, möglichst ressourcenschonend zu handeln. Das heißt: Je weniger Energie für die Reinigung verbraucht wird, desto besser ist das für die Umwelt - und im Übrigen auch für die Verbraucher. Denn wenn weniger Wasser gereinigt wird, sinken die Kosten dafür und damit auch die Gebühren.

Warum gibt es dann heute überhaupt noch Mischwasserkanäle bei uns?

Zurecht stellen sich derzeit viele Pfaffenhofener Bürger die Frage, warum wir heute überhaupt noch Mischwasserkanäle haben. Die Antwort darauf lautet: weil schlichtweg die Mittel fehlen, das Mischwasserkanalsystem auf einen Schlag in ein Trennsystem umzubauen.
Bei der Konzeption eines Kanalsystems in Pfaffenhofen in den 1960-er Jahren plante man ursprünglich ein Abwassersystem, in dem Schmutz- und Niederschlagswasser in getrennten Kanälen fließen. Vermutlich abgeschreckt durch die höheren Investitionen – schließlich kostet der Bau von zwei Kanälen mehr als der für einen Kanal - blieb es bei der Planung und man entschied sich letztendlich doch für das Mischwassersystem.
Heute stehen die Stadtwerke vor der Mammutaufgabe, Schritt für Schritt die 100 Kilometer an Mischwasserkanälen in ein Trennsystem zu überführen. Das verlangt planerisches Geschick und Geld. Denn Niederschlagskanäle anzulegen macht nur Sinn, wenn sie über längere Strecken verlaufen und schließlich in ein öffentliches Gewässer münden. Wenn das Kanalsystem nur in einzelnen Straßenabschnitten und den dazugehörigen Grundstücken umgebaut wird, reicht vielleicht das Geld. Falls das säuberlich getrennte Wasser im anschließenden Straßenabschnitt aber wieder in einem Mischwasserkanal zusammenfließt, war die Investition zunächst einmal umsonst.

Getrenntes Abwassersystem – ein Generationenprojekt, das die Stadtwerke anpacken

Der Umbau des Abwassersystems bedarf also eines intelligenten Konzepts, sorgfältiger Planung und einer langfristigen Finanzierung – und damit auch Zeit. Seit 2013, dem Jahr, in dem die Stadtwerke Pfaffenhofen die Verantwortung für das Abwassernetz in Pfaffenhofen übernommen haben, haben sie die Sanierung des Abwassersystems auf der Agenda. Seitdem entwickeln sie ein tragfähiges, finanzierbares und zukunftsweisendes Konzept für die moderne Abwasserbehandlung in Pfaffenhofen.

Schon in der Umsetzung: Trennprinzip in Neubaugebieten

Daneben wird aber schon ganz konkret etwas getan: In Neubaugebieten werden die Kanalsysteme durchweg nach dem Trennprinzip angelegt. Hier fließt also bereits sauberes Niederschlagswasser in eigenen Kanälen in öffentliches Gewässer, und das Schmutzwasser in wieder eigenem Kanal dahin, wo es hingehört: in die Kläranlage zur Reinigung. Heute gibt es in Pfaffenhofen immerhin ein 40 Kilometer langes Netz in diesem Trennsystem.

Gesplittete Abwassergebühr soll Niederschlagswasser in Kanälen reduzieren

Flankiert werden diese Maßnahmen durch die Einführung der gesplitteten Abwassergebühr, die das Thema Abwasser von einer anderen Seite beleuchtet. Denn hier geht es nicht um die Kanalsanierung, sondern vielmehr darum, Niederschlagswasser erst gar nicht in das Kanalsystem gelangen zu lassen.
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