Stadt lässt kranke Eschen pflegen

Der „Zottige Schillerpolling“ hat die große Esche so stark befallen, dass der Baum nicht mehr verkehrssicher ist und gefällt werden muss.
 
Die große Esche in der Ingolstädter Strasse ist vom Eschentriebsterben stark erkrankt. In der Krone sieht man bereits große abgestorbene Äste. Ein Baumpilz macht den Stamm innen zusätzlich modrig und instabil.

Vom Faschingsdienstag 08:00 Uhr bis Aschermittwoch Nachmittag führen die Stadtwerke Pfaffenhofen in der Ingolstädter Straße vom Kreisverkehr an Richtung Eisstadion Baumpflegearbeiten durch. Dafür muss der Fuß- und Radweg gesperrt werden. Bei der Maßnahme entfernen Fachleute einen kranken Baum, der nicht mehr zu retten ist. An die zehn weitere Eschen werden zurückgeschnitten, um Gefahren für die Bürger und den angrenzenden Kindergarten St. Elisabeth zu verhindern.
Grundsätzlich sind Bäume, die in der Stadt wachsen, anfälliger gegen Krankheiten als Bäume in der freien Landschaft, da in der Stadt andere Wachstumsbedingungen herrschen. Der Wurzelraum für die Bäume ist durch Gebäude, Kanäle und Leitungen beengt, der Boden unter der Straße und Gehwegen verdichtet und die Wasserversorgung schlecht. Hinzu kommt der Klimawandel, der die Sommermonate immer trockener und heißer werden lässt. Dadurch durstet der Baum, das stresst ihn und macht ihn anfälliger für Krankheiten. Selbst der Gießdienst der Stadtwerke kann in Trockenzeiten nicht alle Bäume der Stadt ausreichend mit Wasser versorgen.

Was kann die Lebenssituation der Stadtbäume verbessern, damit sie gesund bleiben, lange leben und die Aufgaben erfüllen, die ihnen bei der Pflanzung zugedacht wurden? Mario Dietrich von den Stadtwerken, für alles Grün im Stadtgebiet zuständig, drängt auf einen anderen Umgang mit den Stadtbäumen. Er fordert, dass in Pfaffenhofen bei Neupflanzungen mehr Wert auf eine gute Baumpflanzerde gelegt wird und der Wurzelraum, der dem Baum zu Verfügung gestellt wird, größer geplant werden muss. Bei den Pflegeschnitten wird zukünftig darauf geachtet, dass keine starken Äste mehr entnommen werden müssen. Das hinterlässt große Wunden, die der Baum nicht mehr verschließen kann. So können Moderpilze in den Baum eindringen und ihn schwächen. Außerdem sollen mehr Bäume gepflanzt werden, die mit den schwierigen Bodenbedingungen in der Stadt und dem sich wandelndem Klima besser zurechtkommen. Auch die Kosten spielen eine Rolle. Je länger ein Baum an seinem Pflanzort wachsen kann, umso weniger kostet er auch. Das ist wie bei einem Auto, das sich umso mehr rentiert, je länger es fährt.
Deutschlandweit erkranken Eschen und auch Pfaffenhofen ist davon nicht ausgenommen. Das so genannte „Eschentriebsterben“ wird durch einen Schlauchpilz mit dem Namen „Falsches Weißes Stengelbecherchen“, wissenschaftlich „Hymenoscyphus fraxineus“, verursacht. Ursprünglich stammt der Pilz aus Japan, wo er in den Blättern einer dort heimischen Esche lebt, aber keinen Schaden verursacht. Nach Europa gelangte er möglicherweise durch den Warenhandel.
Der Pilz lässt nicht nur die Triebe absterben, die dann abbrechen und herunterfallen können, sondern kann manchmal auch den Fuß des Baumes befallen, was dazu führt, dass der Baum nicht mehr standsicher ist. Damit befallene Bäume die Verkehrssicherheit in Pfaffenhofen nicht gefährden, werden sie nun ausgeputzt und zurückgeschnitten. Eine der Eschen in der Ingolstädter Straße muss aber gefällt werden, denn sie ist zusätzlich noch von einem „Zottigen Schillerporling“ befallen, der den Baum innerlich morsch und instabil macht. „Wir tun alles, um die Bäume zu erhalten. Aber die Sicherheit der Bürger an dieser stark besuchten Ecke Pfaffenhofens am Kreisverkehr direkt neben dem Kindergarten geht vor“, sagt Mario Dietrich von den Stadtwerken. Um weiteren Lebensraum für Tiere zu schaffen, werden stark erkrankte Bäume nicht ganz entfernt, sondern soweit zurückgeschnitten, dass noch ein langer Baumstumpf von mehreren Metern verbleibt. Ein solcher „Biotopbaum“ wird gern vom Specht bearbeitet und von verschiedenen Insekten bewohnt. Weil dafür eigentlich nicht viel mehr als der Stamm nötig ist, kriegen die kleinen Jungbäume im Unterholz neben einem „Biotopbaum“ mehr Licht als neben einem gesunden großen Baum und haben gute Chancen, stattliche Bäume zu werden.
Es ist schwierig, die Zukunft der Esche vorauszusagen, einerseits führt das Eschentriebsterben in vielen Fällen langfristig zum Absterben der Esche, andererseits findet man immer wieder resistente Bäume, die sich nicht mit der Krankheit infizieren. Die Zukunft der Eschen wird von diesen resistenten Typen abhängen, die dann in den Baumschulen aufgezogen und zukünftig in der Stadt gepflanzt werden können.
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