Baumpflegeseminar in Pfaffenhofen Baustein eines ganzheitlichen Konzepts für Pfaffenhofens Bäume

Stadtrat Manfred „Mensch“ Mayer (3. v.l.) schaut interessiert dabei zu, wie ein Seminarteilnehmer Äste eines jungen Baumes schneidet, die später einmal stören könnten.
 
Anschauungsunterricht: Tanja Sachs, die Leiterin des Seminars, mit Teilnehmern des Baumpflegeseminars im Pfaffenhofener Bürgerpark.
Im Dezember lädt Mario Dietrich, Teamleiter Stadtgrün, 30 Baumpfleger aus Unternehmen der Stadt, des Landkreises und der Nachbargemeinden sowie aus Privatfirmen zum Baumpflegeseminar ein. Dabei stellt er auch sein Pflanz- und Pflegekonzept mit den drei Säulen vor: Monokulturen vermeiden, in den richtigen Boden investieren und richtiger Baumschnitt zur richtigen Zeit. Dietrichs Forderung zum Erhalt des Stadtgrüns sind wichtig und richtig: Denn Pfaffenhofen braucht den „Alleskönner“ Stadtbaum und muss dem Baumschwund rechtzeitig und wirkungsvoll mit einem tragfähigen Konzept entgegenwirken.

Wenn Mario Dietrich, Teamleiter Stadtgrün bei den Stadtwerken Pfaffenhofen, von Schnittübungen und modernen Schnittmethoden spricht, dann geht es für ihn um ein ernstes, ja politisches Thema: Den Erhalt der Stadtbäume. Dass ihm Bäume als wichtiger Teil des Stadtbildes am Herzen liegen, zeigte der Stadtgrün-Verantwortliche einmal mehr im November 2017.

Dietrich lud da 30 Baumpfleger, die für die Stadtwerke, den Landkreis Pfaffenhofen, Nachbargemeinden oder auch private Baumpflegefirmen arbeiten, zu einem eintägigen Baumpflegeseminar ein. Und dass das Stadtgrün für Kommunen mehr als nur „netter grüner Anstrich“ ist, bewies tatkräftig Stadtrat Manfred „Mensch“ Mayer, Referent für Grünanlagen in Pfaffenhofen, der ebenfalls an dem Seminar teilnahm und den Erläuterungen der Seminarleiterin Tanja Sachs interessiert folgte.

Der Baum als Alleskönner

Warum die Baumpflege und die Aus- und Weiterbildung von Baumpflegern so wichtig ist, beantwortet Mario Dietrich gerne: „Stadtbäume sind als Klimaschützer, CO²-Speicher, Schattenspender, optimaler Hochwasserschutz und Wasserfilter im Boden wahre Alleskönner.“ Dafür müssen Stadtbäume allerdings groß und alt werden.

Doch immer mehr und größere Häuser, immer breitere Straßen und ein schier endloses unterirdisches Rohr- und Leitungsnetz schränken die Stadtbäume im wahrsten Sinne des Wortes in jeder Richtung ein. Für große Baumkronen und breite Wurzelgeflechte ist da immer weniger Platz. Außerdem setzen mit dem Klimawandel Trockenheit und Hitze den Bäumen weiter zu.

Nachhaltiges Pflanz- und Pflegekonzept für Pfaffenhofen mit 3 Säulen

Mario Dietrich hat diesen Bedrohungen des Stadtbaums mit einem wirkungsvollen und nachhaltigen Pflanz- und Pflegekonzept für Pfaffenhofen den Kampf angesagt. Es stützt sich auf drei zentrale Säulen, die Dietrich mit konkreten Forderungen verknüpft.

Monokulturen vermeiden

Monokulturen öffnen Krankheiten Tür und Tor. Auch in Pfaffenhofen besteht die Gefahr eines umfassenden Baumschwunds: „Die Hälfte der Bäume hier sind Linden- oder Ahornbäume“, erläutert Mario Dietrich, „Das geht schon in Richtung Monokultur. Wenn die zum Beispiel von Schädlingen befallen sind, verlieren wir mit einem Schlag den Großteil unserer Stadtbäume.“ Daher auch die erste Forderung in Dietrichs Pflanz- und Pflegekonzept: Von jeder Baumart maximal 10 Prozent pflanzen.

In den richtigen Boden investieren

Pfaffenhofen erhebt zurecht den Anspruch für sich „ein guter Boden für große Vorhaben“ zu sein. Dietrich nimmt das mit der zweiten Säule aus seinem Pflanz- und Pflegekonzept gerne wörtlich. In einer von ihm angestoßenen Kooperation mit dem städtischen Bauamt werden in Pfaffenhofens Neubaugebieten künftig großzügige Erdlöcher ausgegraben und mit fruchtbarer Erde verfüllt. So haben die Wurzeln des Straßenbaumes genug Platz, ausreichend Luft, Nährstoffe und Wasser. „Eine lohnende Investition“, weiß Dietrich, „denn schlecht gepflanzte Bäume werden schneller krank, müssen gepflegt oder erneuert werden. Das kostet mehr als die einmalige Investition in große Erdlöcher, die Bäume groß und Hunderte von Jahren alt werden lassen.“

Richtiger Baumschnitt zur richtigen Zeit

Auch bei der dritten Säule, dem richtigen Baumschnitt, weiß Mario Dietrich, worauf es ankommt: „Beim Baumschnitt ist es wie bei der Kindererziehung. Was man in der Kindheit versäumt, kann man im Alter nicht mehr nachholen.“ Tellergroße Schnittwunden kann ein älterer Baum in der Regel nicht mehr schließen. Hier siedeln sich dann schnell Pilze an, die den Baum zersetzen und ihn instabil machen. Wenn er dann zum Sicherheitsrisiko für Verkehr und Passanten, Häuser und parkende Autos wird, muss er gefällt werden.
Deshalb ist beim Baumschnitt der Schnittzeitpunkt entscheidend. Stadtgärtner reagieren hier am besten schnell und schneiden Äste, die zum Problem werden können, beim Jungbaum ab. Denn die gerade mal 2-Euro-Stück großen Äste können hier bequem abgeschnitten werden. Für den Baum ist das lebenswichtig, denn in jungen Jahren kann er diese kleinen Wunden schnell schließen, bleibt stabil und verkehrssicher - und der Stadt und den Bürgern lange erhalten.

Wissen, nachhaltige Baumpflege und politischer Wille müssen Hand in Hand gehen

Viele Städte haben aus den Erfahrungen und Fehlern der Vergangenheit bereits gelernt. Und Dietrich findet, dass es auch in Pfaffenhofen dafür Zeit ist. Deswegen hat er sein Pflanz- und Pflegekonzept entwickelt und weiß: „Ein modernes Stadtgrün nach dem Drei-Säulen-Konzept braucht Rückhalt in Politik und Öffentlichkeit. Und den bekommen wir, wenn wir Bewusstsein schaffen, politische Entscheider beraten und die Bürger informieren.“ Und er fügt mit einem Lächeln hinzu: „Und wenn unser Baumpflegeseminar im Bürgerpark mit den orange gekleideten Personen ein bisschen Furore gemacht hat, dann schadet das gar nicht – im Gegenteil es nützt den Bäumen und letztlich uns Bürgern.“
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