Hopfen, das "grüne Gold" der Region

Ganz nah dran: Hopfengarten direkt am Stadtrand von Pfaffenhofen (Foto: Willy Hailer)
 
Bertha Thalmeier bietet auf ihrem Hof in Eckersberg Führungen an.
 
Hopfendolden
 
Mädchen im Hopfengarten (Foto: Anton Mirwald - Bildrechte: Hopfenland Hallertau Tourismus e. V.)

Allgegenwärtig und doch ganz besonders

Der Hopfen ist in der Hallertau allgegenwärtig. Auch rund um Pfaffenhofen prägen die Hopfengärten das Landschaftsbild, denn in den Ortsteilen gibt es etliche Landwirte, die das „grüne Gold“ anbauen. Die Hopfenernte im August und September ist ein guter Anlass für verschiedene Veranstaltungen rund um den Hopfen, und eine ganz besondere findet heuer erstmals in der Stadt Pfaffenhofen statt: Am Sonntag, 10. September wird vor der schönen Rathaus-Kulisse das große Hallertauer Hopfakranzlfest gefeiert.

Mit rund 16.000 Hektar Hopfenfläche ist die Hallertau das größte zusammenhängende Hopfenanbaugebiet der Welt. Hallertauer Hopfen wird heute in über 100 Länder exportiert, um den besten Bieren der Welt ihren typischen, angenehm bitteren Geschmack und ihr feines Aroma, die Schaumstabilität und die Haltbarkeit zu geben. Hochspezialisierte Hopfenanbaubetriebe zwischen Abensberg und Wolnzach, Pfaffenhofen und Siegenburg produzieren über 25 Hopfensorten, vom kraftvollen Hochalphahopfen über feinsten Aromahopfen bis hin zu den modernen Special Flavor Hops, gezüchteten Hopfensorten mit fruchtigen Geschmacksrichtungen.

Hopfen ist eine zweihäusige Pflanze, d. h. es gibt rein weibliche und rein männliche Pflanzen. Brautechnisch relevant sind aber nur die weiblichen Pflanzen. Männliche Hopfenpflanzen werden ausschließlich in der Züchtung verwendet. Da Hopfensamen in befruchteten Dolden sich negativ beim Brauprozess auswirken, dürfen in den Hopfenanbaugebieten überhaupt keine männlichen Hopfenpflanzen wachsen. Das wusste auch bereits vor 900 Jahren Hildegard von Bingen, als sie schrieb: „Der Hopfengarten muss sein, wie ein Nonnenkloster“.

Erfolgreiche Hopfenzüchtung in Hüll
Auch in Sachen Hopfenzüchtung ist die Hallertau die Nummer eins: Das Hopfenforschungszentrum in Hüll bei Wolnzach betreibt das weltweit größte und erfolgreichste Hopfen-Zuchtprogramm.
Übrigens sind die Auswirkungen des Klimawandels auch im Hopfenanbau deutlich zu spüren. An der Klimastation in Hüll ist innerhalb der letzten 20 Jahre eine Erwärmung um rund 1,8 Grad Celsius im Jahresmittel verzeichnet. Dies bereitet den alten Landsorten wie Hallertauer Mittelfrüh, Tettnanger, Spalter oder Hersbrucker Spät zunehmend Probleme. Die neue Hochalphasorte Herkules dagegen wäre vor 30 Jahren kaum reif geworden, kann aber mit dem heutigen Klima gut umgehen.

Seele des Bieres und Arzneipflanze des Jahres
Der Hopfen ist „die Seele des Bieres“ – laut Reinheitsgebot dürfen bekanntlich nur Wasser, Malz, Hefe und Hopfen verwendet werden –, aber er wird nicht nur fürs Bierbrauen gebraucht: Hopfen, lateinisch Humulus lupulus, ist eine seit Jahrhunderten bekannte Heilpflanze und war die „Arzneipflanze des Jahres 2007“. Vor allem zusammen mit Baldrian wird Hopfen als beruhigendes, schlafförderndes Mittel eingesetzt.
Hopfenpflanzen haben eine Lebensdauer von bis zu 50 Jahren. Jedes Jahr im April oder Anfang Mai werden die jungen Triebe an Drähte angeleitet, an denen sie bis Ende Juni sieben Meter in die Höhe wachsen. Pro Rebe bilden sich bis zu 10.000 Dolden, die Ende August oder Anfang September geerntet und getrocknet werden.

Hopfenpflückmaschinen statt Erntehelfer
„Der Hopfen will seinen Herrn jeden Tag sehen", sagt ein altes Sprichwort und macht deutlich, dass es sich beim Hopfen um eine arbeitsintensive Pflanze handelt.
Hopfen gehört zu den anspruchsvollsten Anbaupflanzen in Europa und sein Anbau ist als Sonderkultur zertifiziert. Dabei hat sich die Bewirtschaftung und Ernte in den letzten Jahrzehnten radikal verändert. Waren vor 40 Jahren noch 2.000 bis 3.000 Arbeitskräftestunden für die Bewirtschaftung eines Hektars Hopfen notwendig, sind es heute „nur“ noch 250 bis 300 Stunden. Moderne Technik, allen voran die Hopfenpflückmaschinen, haben die Arbeit der Hopfenbauern revolutioniert. Die Hopfenernte der „guten alten Zeit“, als der Hopfen noch von Tausenden von Erntehelfern mit der Hand gepflückt wurde, ist mit der heutigen kaum noch vergleichbar.

123 Betriebe im Siegelbezirk Pfaffenhofen
Um die Qualität des Hopfens zu sichern, werden die Hopfenballen versiegelt und zertifiziert. Die erste Siegel- und Waagstelle entstand 1834 in Wolnzach. Pfaffenhofen ist einer der 15 Hallertauer Siegelbezirke. Im Siegelbezirk Pfaffenhofen werden in 123 Betrieben rund 1.600 Hektar Hopfen angebaut. Neben Pfaffenhofen gehören auch Gerolsbach, Paunzhausen, Pörnbach, Scheyern, Schweitenkrichen und Winden zum Siegelbezirk Pfaffenhofen.

So mancher Pfaffenhofener wird sich noch an die „Siegelhalle“ bzw. Hopfenhalle am Volksfestplatz erinnern, die im Jahr 2008 abgerissen wurde. Hier wurden früher die Hopfenballen gewogen und mit rotem Siegellack versiegelt. Der eingedrückte Stempel mit dem Pfaffenhofener Wappen kennzeichnete den Hopfensack als Produkt des Siegelbezirks Pfaffenhofen a. d. Ilm. Seit Ende der 90-er Jahre erfolgt aber die Hopfensiegelung bereits während der Ernte direkt auf den Höfen und ein Siegeletikett hat das traditionelle rote Lacksiegel ersetzt.

Im Zuge des Strukturwandels sinkt die Zahl der Hopfenbauern kontinuierlich, während die Hopfenanbaufläche steigt. Im vergangenen Jahr haben in der Hallertau 19 von 931 Höfen den Betrieb eingestellt. Gleichzeitig wurde die Anbaufläche um 800 Hektar auf jetzt 16.310 Hektar erweitert. Damit liegt die durchschnittliche Betriebsgröße aktuell bei 17,9 Hektar Hopfen. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es 16,7 Hektar, vor 20 Jahren vier Hektar!

Spektakulär: Hopfenmuseum und Hopfenturm
Wer sich näher über den Hopfen informieren möchte und auch einen Blick zurück in die Geschichte des Hopfenanbaus werfen möchte, ist im Deutschen Hopfenmuseum in Wolnzach richtig. Im Jahr 2005 wurde der spektakuläre Neubau in der symbolischen Form eines Hopfengartens eröffnet, in dem sich die interessante, über 1000 Quadratmeter große Erlebnisausstellung befindet.
Spektakulär ist auch der neue Hopfenturm in Pfaffenhofen, der mit finanzieller Unterstützung des Deutschen Hopfenwirtschaftsverbandes im Bürgerpark errichtet wurde und hier auch nach der Gartenschau den Bürgern erhalten bleibt. Die Aussichtsplattform liegt auf Wuchshöhe des Hopfens. Die Wendeltreppen symbolisieren zwei hoch wachsende, ineinander verschlungene Hopfenreben.

Veranstaltungen rund um den Hopfen
Vor allem im August und September, wenn der Hopfen sich in voller Pracht präsentiert, gibt es eine Vielzahl von Veranstaltungen rund um den Hopfen. Eine davon ist das Hopfakranzlfest mit Hopfensiegelfest, das am 10. September erstmals auf dem schönen Pfaffenhofener Hauptplatz gefeiert wird. Einen Besuch wert sind u. a. auch der Hopfazupfa-Jahrtag am 15. August ab 10 Uhr im Scheyerer Prielhof und die Hopfenzupfermeisterschaft am 20. August in Siegenburg.

Wer das „grüne Gold“ hautnah erleben will, sollte eine Einladung der Hopfenbäuerinnen annehmen – etwa zu einer Erlebnisführung oder zum Hopfenkranzbinden direkt auf dem Bauernhof (siehe blauer Kasten). Da wird man dann selbst vom Hopfen gekratzt – und das nicht nur sprichwörtlich, sondern ganz direkt, deutlich spürbar und unvergesslich.

Der Hopfen – Wichtiges in Kürze
• Hopfen, lateinisch Humulus lupulus, gehört zur Familie der Hanfgewächse und ist eng mit dem Hanf, aber auch mit der Brennnessel verwandt.
• Hopfen ist die am schnellsten wachsende Pflanze in unserem Klimabereich: 7 Meter in 60 bis 70 Tagen, im Durchschnitt 10 Zentimeter pro Tag bzw. maximal bis zu 30 Zentimeter am Tag. Noch schneller können nur bestimmte Bambusarten wachsen.
• Eine Hopfenrebe hat etwa 1.000 bis 10.000 Dolden pro Rebe. Bei 4.000 Reben pro Hektar ergibt das etwa 15 bis 20 Millionen Dolden pro Hektar.
• Hopfen ist eine ausdauernde Pflanze und kann mehr als 50 Jahre alt werden. Nur der oberirdische Aufwuchs stirbt jedes Jahr ab.
• Die wichtigsten Inhaltsstoffe des Hopfens sind die Bitterstoffe (Alpha- und Beta-Säuren) sowie ätherische Öle, Gerbstoffe und Polyphenole.
• Die Gerüstanlagen in den Hopfengärten sind sieben Meter hoch. Pro Hektar sind 165 Masten erforderlich. Das Netz aus Querseilen und Längsdrähten ist im Boden verankert.


Hopfen-Erlebnisführungen in Eckersberg
Im Hopfenland Hallertau gibt es mehrere Bäuerinnen, die als „Hallertauer Hopfenbotschafterinnen“ Führungen auf ihren Höfen anbieten. Eine dieser Botschafterinnen ist seit mehreren Jahren Berta Thalmaier im Pfaffenhofener Ortsteil Eckersberg. Nach vorheriger Terminabsprache unter Tel. 08441 2880 führt sie Gruppen, Vereine und Firmen durch ihren Betrieb, erzählt vom Hopfenanbau, von der Ernte und dem Arbeitsablauf das ganze Jahr über. Da werden alle Fragen zum Thema Hopfen beantwortet, man sieht und riecht das „grüne Gold“ direkt vor Ort und zum Abschluss gib t es natürlich eine kleine Bierprobe.

Offene Führung am 2. September
Neben den angemeldeten Führungen gibt es auch eine offene Hopfenerlebnisführung für alle Interessierten am Samstag, 2. September, um 15 Uhr auf dem Hopfenhof Thalmaier, Eckersberg 4. Hier ist eine Anmeldung nicht notwendig.

Hopfenkranzbinden in Tegernbach
Zum Hopfenkranzbinden lädt Gerda Hörmann alle Interessierten am Samstag, 26. August, ein. Treffpunkt ist direkt auf ihrem Bauernhof an der Oberhofstraße 23 in Tegernbach. Anmeldungen sind möglich unter Tel. 08443 8486.

Nähere Informationen über weitere Termine und Aktivitäten in Sachen Hopfen findet man im Internet auf www.hopfenland-hallertau.de.
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