Amme gut, alles gut

Ab jetzt sind es ihre Welpen, sagt Gracias etwas misstrauischer Blick (Fotos: privat)
Pfaffenhofen: Tierherberge | Es war ein Rennen gegen die Zeit. Am vergangenen Samstag erhält der Tierschutzverein in Pfaffenhofen einen besonderen Anruf auf dem Notruftelefon: Das Muttertier eines Kleinspitz-Wurfs sei gestorben und habe nicht weniger als acht Winzlinge hinterlassen. (Wir haben darüber berichtet.) „Die Welpen sind erst 24 Stunden alt und nur knapp 150 Gramm schwer“, sagt die aufgeregte Anruferin. Nicht mehr, als ein halbes Päckchen Butter wiegt. Ohne Ersatzmama stehen die Chancen eher schlecht, alle Kleinen per Handaufzug durchzubringen. Es eilt also.

Zusammen mit unseren Medienpartnern, die sich sofort bereit erklären, mitzumachen, werden Aufrufe gestartet: Wer besitzt eine Hündin, die als Ersatzmama in Frage kommt? Was sich dann abspielt, erstaunt selbst die Tierschützer. Das Telefon steht den ganzen Tag nicht still. Es melden sich Dutzende Tierliebhaber aus ganz Deutschland und dem umliegenden Ausland, die ihre Tiere anbieten – und teilweise sich selbst gleich mit. Nicht alle haben verstanden, dass die Tiere nicht vermittelt werden sollen, sondern eine Amme für sie gesucht wird. Sandra Lob, die Leiterin des Vereins: „Es war rührend, wie viele Menschen ohne jede Hundeerfahrung sagten, sie würden eines der Würmchen adoptieren und versuchen, es per Hand großzuziehen. Einen 24 Stunden alten Welpen durchzufüttern, ist selbst für erfahrene Hundehalter eine diffizile Aufgabe. Für Neulinge ist das beinahe unmöglich. Sie fressen nur winzige Portionen, aber sie wollen mit Fingerspitzengefühl im 1-Stunden-Takt gefüttert werden. Rund um die Uhr.

Dennoch wird noch am gleichen Tag eine vielversprechende Hunde-Amme gefunden. Gracia, so heißt sie, gibt zwar (noch) keine Milch, unterstützt die Hundebesitzerin aber, indem sie andere, wichtige Mutterpflichten übernimmt: das Putzen von Mäulchen und Popo der Kleinen nach den Mahlzeiten, das Kuscheln, ein warmes Fell, Hunde-Geborgenheit. Und die Kleinen nuckeln bereits inbrünstig an ihren Zitzen. Soziales Hundeverhalten zum Vergnügen von Mama und Babys gleichermaßen. Martina H. ist die Eigentümerin der Rasselbande: „Sobald ich mich von den Kleinen abwende, sieht Gracia mich an: „Jetzt bin ich aber dran“, bedeutet das wohl. Vor allen Dingen fördert dieses soziale Hundeverhalten die Bindung. Wir sind recht zuversichtlich, dass bei ihr bald die Milch einschießen wird.“

Der Anfang ist gemacht! Jetzt liegt es an 4 großen Hunde-Pfoten und 32 Pfötchen, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Ein großes Dankeschön an alle, die dabei geholfen haben!
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.