„Pfaffenhofener Hopfen“ als Exportgut: Die Entwicklung der Hopfenverarbeitung in Pfaffenhofen

Hopfenanlieferung im Rathaus (ca. 1925)
 
Export des Siegelhopfens in alle Welt (1953)
Vor rund 150 Jahren begann sich der Hopfenanbau in der Stadt über den Eigenbedarf hinaus zu erweitern. Die Verleihung eines eigenen Siegels 1864 bedeutete den Start in eine 100 Jahre währende Epoche der Pfaffenhofener Hopfenwirtschaft, die ein interessantes Kapitel in der Wirtschaftsgeschichte der Stadt darstellt.

Hopfenanbau zunächst nur in kleinem Rahmen
Bis Mitte des 19. Jahrhunderts spielte der Hopfenanbau in Pfaffenhofen keine große Rolle. Er deckte lediglich den Eigenbedarf ab, eine Produktion darüber hinaus und ein überregionaler Handel mit Hopfen war noch kein Thema. Im gesamten Landgericht Pfaffenhofen wurden im frühen 19. Jahrhundert lediglich 250 Zentner geerntet. Die elf Bierbrauer der Stadt importierten für ihren Bedarf auswärtigen, insbesondere den bekannten böhmischen Hopfen. Jedoch entdeckte man bald, dass die Böden der eigenen Region für den Hopfenanbau geeignet waren. Damit gewann der Hopfen als Handelsgut an Bedeutung.

Pfaffenhofener Hopfensiegel und das neue Rathaus als Umschlagplatz

Mit der Verleihung eines Hopfensiegels an die Stadt Pfaffenhofen am 27. Oktober 1864 und der Bildung des Siegelbezirks war der Rahmen geschaffen, Geschäfte mit einem Gütesiegel zu führen, das Herkunft und Qualität des Produkts garantierte. Der Export in größerem Rah-men konnte beginnen. Das 1868 fertig gestellte Rathaus besaß im Erdgeschoss großzügige Räume für Anfuhr, Ab-waage und Siegelung des Hopfens und trug dem gestiegenen Interesse an dieser Kulturpflanze Rechnung. Für rund 70 Jahre fanden hier die Abwaage und die Siegelung statt.

Steigerung der Anbaumenge und Beginn des Exports
Schon in den ersten Jahren zeigte sich die Notwendigkeit der Einrichtung. Betrug die Bilanz der Hopfenwaage im Jahr 1869 noch 300 Zentner, erhöhte sie sich im Folgejahr auf 861 Zentner und steigerte sich in den folgenden Jahren.
An Bedeutung sollte auch das modernste Verkehrsmittel dieser Zeit gewinnen. Beim 1867 eröffneten Bahnhof in Pfaffenhofen befand sich eine Güterhalle zur Versendung von Waren aller Art. Die Hopfenwirtschaft machte davon sofort Gebrauch und lieferte dort im ersten Betriebsjahr 1868 2.275 Zentner an. In einem Jahrzehnt der Innovationen ging es auch mit der Hopfenwirtschaft in Pfaffenhofen steil nach oben.

Errichtung von Gebäuden zur Hopfenverarbeitung
Der um 1880 einsetzende Bau von Hopfendarren war sichtbares Zeichen für den neuen Wachstumsmarkt. Die erste Hopfenpräparier- und Verpackungsanstalt in Pfaffenhofen errichtete Max König als Privatmann. Um die stark steigenden Mengen an Hopfen verarbeiten und lagern zu können, entstanden in unmittelbarer Nähe des Rathauses – in der Frauenstraße und am Stadtgraben – durch die Stadt errichtete Gebäude zur Präparierung und Schwefelung des Hopfens und zur richtigen Lagerung der großen Mengen. Ein 1893 gegründeter „Hopfenbauverein“ für Pfaffenhofen und Umgebung sollte den einhei-mischen Hopfen vor Preisdrückerei durch die Konsumenten schützen und eine verlässliche Basis für den Anbau und Vertrieb schaffen.

Boomphase in den 1950er Jahren und Niedergang der Hopfenwirtschaft in der Stadt
Der Hopfenanbau im Siegelbezirk Pfaffenhofen, zu dem die 33 Gemeinden des Amtsge-richtsbezirks sowie einzelne Gemeinden in den Landkreisen Schrobenhausen und Freising gehörten, entwickelte sich kontinuierlich weiter. Im Jahr 1933 zählte man knapp 4 Millionen Hopfenstöcke, überwiegend war es der „frühe Hallertauer Hopfen“, der an den Stangen em-porrankte. Bis in die 1950er Jahre hinein spielte die Hopfenverarbeitung und –siegelung in Pfaffenhofen eine große Rolle, hohe Zuwachsraten dokumentierten die florierende Wirtschaft. Allein im Jahr 1959 wurden über 12.000 Zentner in der städtischen Hopfenhalle eingelagert. Wegen fehlender Lagermöglichkeiten und aufgrund nicht mehr zeitgemäßer Lagerräume bahnte sich ein Ende der Hopfenverarbeitung in der Stadt an, auch der Bau einer neuen La-gerhalle östlich des Rathauses zerschlug sich im Jahr 1960. Mit der Einstellung der Aufbereitung im Jahr 1962 lag der Schwerpunkt des Hopfengeschäfts auf dem Gebiet der Abwaage, die in den 1990er Jahren mit dem Aufkommen der Außenabwaage direkt auf den Höfen in Pfaffenhofen zu Ende ging.
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