Neujahrsempfang der Religionen: Flüchtlingsbeauftragter fordert „Begegnung auf Augenhöhe“ und „Brückenbauen“

Der diözesane Flüchtlingsbeauftragte Ralf Eger im Gespräch mit Pfarrer Albert Miorin und Pastoralreferent Sepp Steinbüchler (von links)
 
Referent Ralf Eger
„Flüchtlinge und Asylbewerber. Aufgaben, Herausforderungen und Perspektiven für Religionsgemeinschaften und Kommunen in der heutigen Gesellschaft“ – unter dieses Thema stellte die Katholische Stadtpfarrei St. Johannes Baptist ihren diesjährigen Neujahrsempfang der Religionen. Pastoralreferent Sepp Steinbüchler als Beauftragter für den Interreligiösen Dialog konnte dazu am Freitagabend Vertreter der verschiedenen Religionsgemeinschaften und des Internationalen Kulturvereins sowie den Zweiten Bürgermeister Albert Gürtner und den Integrationsbeauftragten Reinhard Haiplik im Pfarrsaal begrüßen.

Referent des Abends war Diakon Ralf Eger, der diözesane Flüchtlingsbeauftragte im Bistum Augsburg, und er machte sich für eine „Begegnung auf Augenhöhe“ mit den Flüchtlingen und ein klares Bekenntnis zur Menschlichkeit und gegen Rassismus stark.

Pastoralreferent Sepp Steinbüchler, der zugleich Vorsitzender des Internationalen Kulturvereins ist, erläuterte, dass es derzeit etwa 200 Flüchtlinge und Asylbewerber in Pfaffenhofen gibt. Untergebracht sind sie dezentral in 14 Unterkünften und begleitet werden sie von etwa 100 ehrenamtlichen Asylhelfern unter der Leitung von Gabi Dettke im AK Asyl des Internationalen Kulturvereins. Auch einige Religionsgemeinschaften engagieren sich in der Asylarbeit, wie Sepp Steinbüchler an einigen positiven Beispielen aufzeigte: So gibt es in der Evangelisch-freikirchlichen Gemeinde das One-World-Café mit monatlichen Treffen und einer Fahrrad-Reparaturwerkstatt. Die Freie Christengemeinde „Lebendiges Wort“ lud zusammen mit den Baptisten an Heiligabend Flüchtlinge, Alleinerziehende und Obdachlose zu einer gemeinsamen Weihnachtsfeier in ihre neuen Gemeinderäume ein. Als besonders großzügige Gastgeber erwiesen sich im Sommer 2016 die Mitglieder der türkisch-islamische Gemeinde Ditib: Während des Ramadan luden sie vier Wochen lang jeden Abend rund 150 Asylbewerber zum gemeinsamen Abendessen in die Moschee ein.

Neben der Integration sei es eine wichtige Herausforderung der Zukunft, die Asylhelfer zu begleiten und zu unterstützen, meinte Steinbüchler: „Ich wünsche mir, dass wir offen bleiben, mit offenen Herzen und offenen Türen“.

„Es ist schon Tradition, dass die Stadtpfarrei zum Neujahrsempfang der Religionen einlädt, aber es soll nicht Routine werden“, erklärte Albert Gürtner in seinem Grußwort. „Es ist immer noch etwas Besonderes, dass wir uns treffen – gerade in einer Zeit, die von Unsicherheit und Vorurteilen geprägt ist“, fügte er hinzu und betonte: „Es ist wichtig, dass wir offen bleiben und dass wir im Gespräch bleiben.“ Neben ihren seelsorgerischen Aufgaben, so Gürtner weiter, stehen die Kirchen und Religionsgemeinschaften auch vor einer großen sozialen Herausforderung. Er dankte allen, die den Asylbewerbern vorbehaltlos entgegengehen und sich für Integration einsetzen.

„Flucht ist nicht nur DAS Thema der Jahre 2015 und 2016; Flucht ist ein Menschheitsthema durch alle Jahrhunderte“, betonte Diakon Ralf Eger. Und auch wenn es immer heiße, „das war damals etwas ganz anderes“, seien die Beweggründe, die Schwierigkeiten und die Ängste doch immer die gleichen. „Die Menschen kommen zu uns, weil sie in ihrer Heimat keine Zukunft sehen.“ Es sei wichtig, globale Zusammenhänge und politische Hintergründe im Auge zu behalten und die Fluchtursachen vor Ort zu bekämpfen. „Wir sind nicht unschuldig an den Situationen in den Herkunftsländern. Und wer liefert die Waffen in Kriegsgebiete?“

Die Religionsgemeinschaften, so forderte der Flüchtlingsbeauftragte, müssten sich der Integration bzw. der Inklusion verschreiben. Dabei gab er der Inklusion den Vorzug, da keine Assimilation verlangt werde, sondern Vielfalt und Diversität vorausgesetzt und sogar gewünscht seien. „Die Geflüchteten sollen nicht ‚ganz Deutsch‘ werden, sondern sie sollen an unserer Gesellschaft teilhaben können, denn Kulturen und Religionen können viel voneinander lernen“, führte Ralf Eger aus. Dabei gehe es um die Anerkennung der Person, des einzelnen Menschen, also um eine Begegnung auf Augenhöhe.

Als weitere große Aufgabe der Religionsgemeinschaften bezeichnete der Diakon das Eintreten gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. In diesem Zusammenhang komme der interreligiösen Arbeit eine wichtige Rolle als Brückenbauer zu, denn „was ich kenne, muss ich nicht fürchten“.

Die Pfarrgemeinderats-Vorsitzende Waltraud Daniel bedankte sich mit kleinen Geschenken bei dem Referenten sowie den beiden Flötistinnen Angelika und Kornelia Walter, die den Abend musikalisch umrahmten, und sie lud die Vertreter der verschiedenen Konfessionen und Religionsgemeinschaften zum Kennenlernen und zu Gesprächen am Büfett ein.
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