Nachhaltige Projekte in Pfaffenhofen im 19. Jahrhundert

Die Schule am oberen Hauptplatz wurde 1878 eingeweiht und bot Lehrern und Schülern erstmals ein ansprechendes Lehr- und Lernumfeld (um 1900).
 
Blick auf die Stadt vom Bahndamm aus mit den grünen Anlagen entlang des Stadtgrabens (ca. 1935)
Vor allem ab 1860, in einer Zeit großer Veränderungen für Pfaffenhofen, engagierten sich die Verantwortlichen der Stadt, aber auch verschiedene Vereine für Projekte, die mittel- und langfristig die Lebensqualität der Bevölkerung fördern sollten. Umwelt, Ortsbild und Bildung waren dabei Themen, die schon vor mehr als 100 Jahren in den Blick engagierter Bürger fielen und bis heute nichts von ihrer Aktualität eingebüßt haben.

Saubere Luft für die Stadtbürger
Der seit 1865 bestehende Verschönerungsverein schrieb sich schon in den ersten Jahren seines Bestehens den Umwelt- und Klimaschutz auf die Fahnen. Die von seinen Mitgliedern geschaffenen Nistplätze für Vögel, die als Insektenvernichter wichtig waren, sollte das Überhandnehmen von Insekten verhindern, da die damals ergehenden Aufrufe an die Landwirte, die Hecken zwischen den Feldern als Nistplätze stehen zu lassen, ungehört verhallten.

Die Anlage eines „grünen Gürtels“ im Jahr 1865 sollte zur Luftverbesserung beitragen. Anpflanzungen an verschiedenen Bereichen entlang der ehemaligen Stadtmauer waren als langfristig wirkende Grundlage für „das unsichtbare Wirken der Blätter, die unausgesetzt die schädlichen Bestandtheile der Luft einathmen und Sauerstoff, die eigentliche Lebenslust des Menschen, aushauchen“, gedacht.

Die Förderung der Obstbaum- und Sträucherkultur sollte in zahlreichen Gärten und Pflanzungen Früchte gedeihen lassen und die Bevölkerung dazu animieren, selbst Obst, aber auch Gemüse anzubauen.

Impulse im Bildungswesen
Eine gute Schulbildung und Erziehung erkannte man bereits im 19. Jahrhundert als entscheidende Grundlage für ein späteres Wirken der Menschen zum Wohl der Gemeinschaft. Mit der Gründung der Kleinkinderbewahranstalt Pfaffenhofen im Jahr 1871 durch Anna Kittenbacher wurde die Basis für eine gute Erziehung und die „Förderung der körperlichen und geistigen Kräfte“ gelegt. Zugleich sollten die Eltern bei ihrem Tagesgeschäft unterstützt werden und es ihnen möglich sein, ihre Arbeit zu verrichten, ohne dass die Kinder vernachlässigen werden. Mit dem Bau des großen Schulhauses am oberen Hauptplatz, dem heutigen Haus der Begegnung, in den Jahren 1877 und 1878 konnten die Pfaffenhofener Schülerinnen und Schüler in einem optimalen Lernumfeld unterrichtet werden.

Der richtige Umgang mit der Natur in der Landwirtschaft

Die Förderung der landwirtschaftlichen Fortbildungsschulen im Bezirk Pfaffenhofen trug nicht nur in der Stadt selbst Früchte. Wie in Affalterbach im Jahr 1869 bildeten sich an einigen umliegenden Orten kleine Gruppen von Schülern, die nach dem Absolvieren von 8 Jahren Volksschule in Fächern wie Bodenkunde, Klima und Entwässerung oder im richtigen Gebrauch von Dünger beim Pflanzenbau unterrichtet wurden. Ziel war die Förderung von eigenständigem Urteilen und Nachdenken bei der Bewältigung der vielfältigen Aufgaben in der Landwirtschaft.

Die Sicherung der Wasserversorgung
Angesichts der zunehmenden Wohnbevölkerung in der Stadt traf der Magistrat um Bürgermeister Ludwig Lechner um die Jahrhundertwende Vorsorge für die künftige Versorgung der Stadt mit Wasser und Strom. Der Erwerb der alten Arlmühle und deren Abbruch ermöglichten in den Jahren 1904 bis 1905 die Errichtung eines neuen Pumpwerks für die Wasserversorgung, die über eine Quellenfassung bei Reisgang die Stadt mit Wasser versorgte.

Vom Spital zum Wohnstift – Die Versorgung älterer und kranker Bürger
Über das städtische Spitalwesen erfuhren arme und kranke Stadtbewohner Unterstützung und eine Bleibe für den letzten Lebensabschnitt. Mit dem Bau des Armenhauses an der oberen Löwenstraße, nördlich der damals noch bestehenden ehemaligen Klosteranlage, in den Jahren 1882 und 1883 schuf die Stadt unter Bürgermeister Anton Rieder eine wesentlich bessere Versorgungseinrichtung für Seniorinnen und Senioren. Als späterer Nachfolger auf dem Gelände des ehemaligen Klosters ist das Wohnstift St. Josef aus dieser Initiative hervorgegangen.
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