Marie-Alice Schultz neue Lutz-Stipendiatin

Marie-Alice Schultz ist die Pfaffenhofener Lutz-Stipendiatin 2017. (Foto: Sophia Mairer)

Das Joseph-Maria-Lutz-Stipendium 2017 ist entschieden

Wie in jedem Jahr ist es eine längere Findungsphase: Mitte November endete die Bewerbungsfrist für das Lutz-Stipendium, seitdem war die Jury damit beschäftigt, den nächsten geeigneten Kandidaten aus den vielen Bewerbungen – es waren wieder knapp 60 Einsendungen bei der Kulturabteilung eingegangen – auszuwählen und hierfür die eingereichten Texte zu sichten und zu werten. Das Stipendium ist bekanntermaßen dazu bestimmt, Schriftstellern während ihres Aufenthalts in Pfaffenhofen die Möglichkeit zu geben, literarische Arbeiten zu beginnen, zu realisieren oder fertigzustellen.

Über die Vergabe des Stipendiums für das Jahr 2017 hat nun wieder die dreiköpfige Fachjury entschieden. Dabei war es für den Schriftsteller und Kulturreferenten Steffen Kopetzky, die Kultur-Journalistin Barbara Fröhlich und den Theaterwissenschaftler, Dramaturgen und Philosophen Dr. Lenz Prütting keine schnelle Entscheidung: Die Jury machte es sich nicht leicht bei der Findung des diesjährigen Stipendiaten, allerdings setzte sich Marie-Alice Schultz aus Hamburg letztendlich klar und deutlich durch.

Mit ihr fiel die Entscheidung auf eine Schriftstellerin, die gleichfalls in der Bildenden Kunst zuhause ist und diese doppelte Ausrichtung für ihre Arbeit nutzt. Grund dafür, dass die Wahl auf sie fiel, ist allerdings ihr eingereichter Text, ein Auszug eines Romanprojekts, der aus verschiedensten Perspektiven die Geschichte einer Familie schildert und dabei auch die innerdeutsche Grenze und deren Einfluss auf die Biographien thematisiert. Dieses besondere Interesse spiegelt sich auch in der Aussage Schultz‘, sich selbst charakterisierend: „Mein besonderes Interesse gilt Hindernissen, Zäunen und Schwellen. Sie finden mich unterwegs oder in ein Gespräch verwickelt.“ Es ist gerade die Technik des Schreibens, das Verweben von Einzelschicksalen in ihren spezifischen Übergangssituationen über Generationen hinweg, von der die Jury überzeugt ist, dass sie gut für Pfaffenhofen und für den zu formulierenden Text, den „Zwischenfall“ geeignet ist.

Marie-Alice Schultz wurde 1980 in Hamburg geboren. Sie studierte von 2000 bis 2005 Theaterwissenschaft und Germanistik an der Freien Universität in Berlin und begann 2010 ihr Studium der Bildenden Kunst an der Universität für Angewandte Kunst in Wien. Seit ihrem Diplom 2010 arbeitet sie als freie Künstlerin, wie sie es selbst formuliert, an der Schnittstelle zwischen Text und Zeichnung.

2011 erhielt sie für ihr Projekt „Stationen, unter anderem. Mögliche Ansagen für den Untergrund“ (einer Sammlung von Texten über die Wiener U-Bahn) das Autoren-Stipendium der Stadt Wien. Im selben Jahr wurde ihr ein Atelier-Stipendium des österreichischen Bildungsministeriums für die Cité des Arts in Paris zugesprochen.

Mit ihrem Performance-Duo Harder&Schultz gründete sie u. a. das Künstlerische Bedarfsbüro, ein Kunstfürsorgeprojekt mit eigener Hotline, das erstmals im Wiener „brut“ im Rahmen des imagetanz-Festivals für Choreografie, Performance und Care zum Einsatz kam.

Ihre Texte erschienen u. a. im „Ziegel: Hamburger Jahrbuch für Literatur“ und in der Anthologie „Federlesen“ der 11. Schreibwerkstatt der Jürgen Ponto-Stiftung.

2016 war Marie-Alice Schultz darüber hinaus Stipendiatin der Schreibwerkstatt der Jürgen Ponto-Stiftung und Teilnehmerin des 20. Klagenfurter Literaturkurses.

Die Autorin wird voraussichtlich Anfang Mai als vierte Lutz-Stipendiatin in den Pfaffenhofener Flaschlturm ziehen und die Sommermonate dort verbringen. Am Samstag, 29. Juli, wird sie ihren Text über Pfaffenhofen, ihren „Zwischenfall“, dem Publikum vorstellen.
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