Lesungen, Konzerte und bewegte Bilder – Der Kulturbetrieb in Pfaffenhofen im 19. Jahrhundert

Die bekannte Kapelle Finsterer steht in der Reihe der Pfaffenhofener Musikkapellen des 19. Jahrhunderts, die das Musikgeschehen in der Stadt prägten (1910).
 
Die zum Schulhaus umfunktionierte Engelkapelle am oberen Hauptplatz besaß einen Saal für den Leseverein und den Bürgersaal für Versammlungen und kulturelle Veranstaltungen (Ausschnitt aus einer kolorierten Zeichnung von Augustin Schwarz um 1830).
Der mittlerweile bestens etablierte Kultursommer in Pfaffenhofen mit seinem vielfältigen Ver-anstaltungsangebot hat Vorläufer, die bis in das 19. Jahrhundert zurückreichen. Schon vor über 150 Jahren sorgten auswärtige und einheimische Künstler für kulturelle Highlights in der Stadt.

Der Leseverein und seine Aktivitäten
Schon im frühen 19. Jahrhundert gab es Initiativen seitens der Stadt, die allgemeine Bildung über das Lesen hochwertiger Bücher zu fördern. Im Jahr 1824 ließ die Stadt einen Raum in der Engelkapelle (heute Standort des Hauses der Begegnung) einrichten. Die Mitglieder des in dieser Zeit gegründeten Lesevereins schufen eine kleine Bibliothek an und organisierten Lesungen aus bedeutenden Werken der Literatur.

Reiches Musikgeschehen durch einheimische Interpreten
Die Musikpflege in Pfaffenhofen besitzt eine lange Tradition. Schon vor dem 19. Jahrhundert sorgten die Stadttürmer, die sehr gut ausgebildete Musiker waren, mit Konzerten für anspruchsvolle Unterhaltung. Im 19. Jahrhundert etablierte Stadttürmer Karl Nast (1814-1873) eine Kapelle, die Marsch- und Unterhaltungsmusik bot und zahlreiche Konzerte, auch im Zusammenspiel mit der 1847 gegründeten Liedertafel, gestaltete. Aus dem Ensemble, dem neben anderen Musikern Adam Finsterer angehörte, ging später die bekannte Kapelle Finsterer hervor. Karl Nasts Sohn gleichen Namens war Mitglied des großherzoglich-badischen Orchesters in Karlsruhe und trat mehrmals in seiner Heimatstadt mit Violinkonzerten an die Öffentlichkeit, die absolute Höhepunkte im damaligen Musikgeschehen waren. Die „Pfaffenhofener Gesangschule“ unter Leitung der jeweiligen städtischen Musikmeister gab seit den 1860er Jahren durch regelmäßige Konzerte Proben ihres Könnens.

Hochkarätige Musiker von auswärts
Zu besonderen Anlässen kamen auch auswärtige Sänger und Musiker aus dem gesamten süd-deutschen Raum nach Pfaffenhofen. An der Münchner Oper engagierte Solisten traten ebenso auf, wie die später so berühmte Wagnersängerin Therese Vogl (1845-1921). Sie war die Tochter eines Mitte des 19. Jahrhunderts in Pfaffenhofen tätigen Kameralpraktikanten und Nichte des Gründers der Liedertafel, Anton Thoma. Auf diese Weise kamen die Pfaffenhofener in den Genuss der herausragenden Stimme von Therese Vogl, die später große Bekanntheit erlangen sollte.

Theaterspiel des Gesellenvereins
Der 1858 ins Leben gerufene katholische Gesellenverein Pfaffenhofen trug schon kurz nach der Gründung durch sein Theaterspiel zum kulturellen Leben bei. Unterhaltsam wie lehrreich boten die Mitglieder der Bevölkerung mit ihren Darbietungen im Gesellenhaus in der Auenstraße kurzweilige Abende. Zentrales Anliegen des Vereins war es nach einem Bericht im Amtsblatt, durch kulturelle Angebote „dem jungen Handwerker eine edlere Unterhaltung zu bieten, als es die Zechstube, wo leider nur zu oft ungezügelte Genußsucht und Frivolität sich brüderlich zusammenfinden, zu gewähren vermag.“

Belehrung durch Dioramen und „lebende Bilder“: Bilderschauen ab dem späten 19. Jahrhundert
Ein neues Medium trug seit den 1890er Jahren in Pfaffenhofen zur Unterhaltung der Bevölkerung aus nah und fern bei. Dioramen und „Theater lebender Photographien“ sowie erste bewegte Bilder wurden im Bereich des späteren Schlachthofgeländes und in den Sälen der Brauereien gezeigt. Zum Teil mit dampfbetriebenen Vorführgeräten zeigten die auswärtigen Veranstalter historische und informative Bilderschauen, die auswärtige Länder oder historische Begebenheiten zum Inhalt hatten und die Bevölkerung in Staunen versetzten.
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