Abwechslungsreiche Literaturtage boten fünf höchst interessante Lesungen am laufenden Band

Martin Walker signiert "Grand Prix"
 
Martin Walker (rechts) und Markus Boniberger
Literaturfreunde kamen am vergangenen Wochenende in Pfaffenhofen voll auf ihre Kosten: Die ersten Literaturtage im Rahmen der Pfaffenhofener Lesebühne boten fünf interessante und völlig unterschiedliche Lesungen am laufenden Band.

Christoph Peters
Zum Auftakt las Christoph Peters am Donnerstag aus seinem neuen Erzählband „Selfie mit Sheikh“, dessen Geschichten teils in Deutschland, teils in Ländern des Nahen und Mittleren Ostens spielen.

Sabine Bode
Am folgenden Abend war Sabine Bode zu Gast im Festsaal des Rathauses. Als Sachbuchautorin bekannt, stellte sie jetzt ihren ersten Roman „Das Mädchen im Strom“ vor: die Geschichte des Judenmädchens Gudrun, das vor den Nazis nach Shanghai flieht, dort das Ghetto überlebt und schließlich nach Deutschland zurückkehrt – ganz allein, denn ihre Eltern und ihr Jugendfreund sind inzwischen tot.

Der Roman ist eigentlich eine nacherzählte Geschichte, denn Sabine Bode hat Gudrun, die Hauptfigur ihres Buches, persönlich kennengelernt: Beide waren Hospitantinnen in einer Psychosomatischen Klinik. Trotz des Altersunterschieds von 26 Jahren haben sie sich auf Anhieb gut verstanden. Da Gudrun sich nicht an alle Details ihrer Flucht erinnern konnte, recherchierte Sabine Bode einige Teile und fügte Nebenfiguren sowie Dialoge hinzu.

Sina Trinkwalder
Sie ist eine echte Powerfrau und ein wahres Energiebündel: Sina Trinkwalder, erfolgreiche Unternehmerin und Autorin, stellte am Samstagnachmittag ihr Buch „Im nächsten Leben ist zu spät“ auf der Lesebühne vor – aber sie wollte die Bühne nicht betreten. Auch auf Tisch und Stuhl, Leselampe und Mikrophon verzichtete sie gern und blieb stattdessen vor dem Publikum stehen, quasi auf Augenhöhe, und erzählte ihre Geschichte. „Lesen könnt Ihr ja selbst“, erklärte sie dem Publikum und nahm ihr Buch nur einmal für eine kurze Textpassage in die Hand.

Ansonsten erzählte sie sehr anschaulich und unterhaltsam von den wichtigsten Stationen ihres Lebens und von ihrem Erfolgskonzept, den beiden abgebrochenen Studiengängen und dem höchst erfolgreichen Marketingjob, von der Begegnung mit einem Obdachlosen, die ihr Leben völlig veränderte, und von der Gründung ihres heute 150 Mitarbeiter starken Sozialunternehmens manomama, in dem sie fast ausschließlich Menschen (sehr viele Frauen) beschäftigt, die vorher arbeitslos waren. Ihr Fazit: Optimistisch denken unter Einbeziehung der Realität. Und keinen Trends hinterherlaufen, sondern ganz normal und ganz man selbst sein.

Lenz Prütting
Lenz Prütting lud am Sonntagnachmittag in sein mit viel Liebe renoviertes Bauernhaus in Göbelsbach zur Lesung mit dem Titel „Versuch, ein Leben zu verstehen. Mein Vater im Dritten Reich“ ein. Die zahlreichen Besucher waren gespannt auf die persönlichen Gedanken Prüttings zu den Tagebüchern seines Vaters Michael und dem Briefwechsel seiner Eltern aus den Jahren 1934 bis 1942. Im Alter von 29 Jahren ist Michael Prütting 1942 beim Marsch auf Stalingrad gefallen. Lenz Prütting war zu diesem Zeitpunkt zwei Jahre alt; er hat seinen Vater nie kennengelernt.

Lenz Prütting analysiert in seinem Buch das Leben und auch die Weltanschauung seines Vaters. Der war ein protestantischer Franke, der schon zu Schulzeiten für Hitler schwärmte und marschierte. Lenz Prüttings Werk „Versuch, ein Leben zu verstehen. Mein Vater im Dritten Reich“ wird voraussichtlich im Herbst 2018 beim Herder-Verlag erscheinen.

Martin Walker
Zum Abschluss der Literaturtage stellte Bestsellerautor Martin Walker am Sonntagabend im gut besuchten Rathaussaal seinen neuesten Krimi „Grand Prix“ vor. Der aus Schottland stammende Walker begrüßte das überraschte Publikum souverän auf Deutsch, bevor er dann seinen Teil der Lesung auf Englisch hielt, während Schauspieler Markus Boniberger den deutschen Part übernahm.

Martin Walker entführte das Publikum ins französische Périgord, wo der „Chef de Police“ Bruno bereits das neunte Mal mit einem nervenaufreibenden Fall betraut ist. Walker, der selbst seit vielen Jahren in der Provinz Périgord lebt, bettet die spannende Ermittlungsarbeit des Dorfpolizisten authentisch in die typisch südfranzösische Idylle, die er liebenswert skizziert. Den Protagonisten und Hobbykoch Bruno lässt Walker zudem seine eigene Leidenschaft für die französische Küche ausleben, und so konnten die Zuhörer auch noch einiges über die Zubereitung regionaler Spezialitäten lernen.

Nach der Lesung konnte man sich noch ein Exemplar von „Grand Prix“ signieren lassen und mit dem Autor ins Gespräch kommen. Die Lesung von Martin Walker war der krönende Abschluss der Literaturtage und hat bereits die Vorfreude auf die nächste Saison der Pfaffenhofener Lesebühne geweckt.
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